Stellungnahme zum geplanten Neubau einer Moschee in Schwabach

Unser Grund­ge­setz garan­tiert das Recht auf Reli­gi­ons­frei­heit. Von daher stellt sich für uns nicht die Fra­ge, ob ein Moschee­bau abzu­leh­nen oder ob gar dage­gen vor­zu­ge­hen sei. Dass das Bau­vor­ha­ben den gege­be­nen Geset­zen und Rechts­be­stim­mun­gen ent­spre­chen muss, ist selbst­ver­ständ­lich und wird von der Ver­wal­tung geprüft. Aller­dings lässt sich die Fra­ge nach dem Neu­bau einer Moschee nicht nur in einem recht­lich ein­wand­frei­en Ver­wal­tungs­akt klä­ren, son­dern bedarf sen­si­bler poli­ti­scher Wei­chen­stel­lun­gen. Des­halb bit­ten wir den Stadt­rat um Berück­sich­ti­gung fol­gen­der Aspekte:

1. Es soll­te klar ver­mie­den wer­den, durch die geplan­te Moschee mit ihrem gesell­schaft­li­chen Rah­men­an­ge­bo­ten eine Par­al­lel­ge­sell­schaft zu begüns­ti­gen. Die bis­her erfolg­te Inte­gra­ti­on der mus­li­mi­schen Mit­bür­ger gerie­te in Gefahr, wenn sich die Moschee, viel­leicht unge­plant, aber doch schlei­chend zu einem par­al­lel­ge­sell­schaft­li­chen Mit­tel­punkt ent­wi­ckel­te. Hier ist der Inte­gra­ti­ons­bei­rat der Stadt gefragt, und viel­leicht kön­nen Model­le der inter­kul­tu­rel­len Zusam­men­ar­beit aus ande­ren Städ­ten (z.B. Nürn­berg) eine Hil­fe geben. In die­sem Zusam­men­hang ist ins­be­son­de­re die Not­wen­dig­keit zu beto­nen, dass in der neu­en Moschee auch in deut­scher Spra­che gepre­digt und gelehrt wird. Auch muss bei der Namens­ge­bung für die Moschee eine Zuspit­zung ver­mie­den wer­den, die sich gegen den christ­li­chen Glau­ben wendet. 

2. Ein zwei­ter sen­si­bler Punkt ist die prak­ti­sche Hand­ha­bung all­ge­mei­ner Grund­rech­te durch die Moschee­ge­mein­de: Wie wer­den die Moschee­be­trei­ber und ‑besu­cher mit den Gleich­heits­rech­ten der Frau­en umge­hen – sowie auch mit dem Recht des Reli­gi­ons­wech­sels, ins­be­son­de­re zum Chris­ten­tum? Wel­che Initia­ti­ven könn­ten mög­li­chen Fehl­ent­wick­lun­gen in die­sen bei­den Berei­chen vor­beu­gen? Natür­lich exis­tie­ren heu­te schon in Schwa­bach prak­ti­zie­ren­de Moschee­ge­mein­den, so dass die­se Fra­ge sich nicht erst mit einem Neu­bau stellt. Aber sie soll­te im Zusam­men­hang mit dem geplan­ten Pro­jekt und sei­ner lang­fris­ti­gen Wir­kung noch­mals neu beleuch­tet und kon­kret beant­wor­tet werden.

3. Das gewünsch­te Mina­rett ver­stärkt nicht nur Ängs­te und Vor­be­hal­te vie­ler Schwa­ba­cher Bür­ger, son­dern hat das Poten­ti­al zu einem blei­ben­den Ärger­nis in Tei­len der Bevöl­ke­rung. Nach wie vor ist ein Mina­rett nicht nur ein archi­tek­to­ni­sches Gestal­tungs­ele­ment, son­dern es ver­kör­pert den Macht- und Herr­schafts­an­spruch des mus­li­misch ver­stan­de­nen Got­tes. Auch wenn die theo­lo­gi­schen Pro­kla­ma­tio­nen des „Gebets­rufs“ nicht vom Mina­rett aus ertö­nen, steht es doch dau­er­haft für eine reli­giö­se Aus­sa­ge, die sich aus­drück­lich und in schar­fer Form gegen den christ­li­chen Glau­ben wen­det, und ver­letzt somit die reli­giö­sen Gefüh­le vie­ler. Die gebo­te­ne Rück­sicht­nah­me dar­auf soll­te in den Über­le­gun­gen und Ent­schei­dun­gen zum Moschee­bau unbe­dingt Berück­sich­ti­gung finden.

4. Einen Mosche­en­eu­bau nur unter dem Gesichts­punkt der Reli­gi­ons­frei­heit zu betrach­ten, wird den Zusam­men­hän­gen nur teil­wei­se gerecht. Der Islam kann weder von sei­nen Ursprün­gen noch in der aktu­el­len Reli­gi­ons­aus­übung als rein reli­giö­se Ange­le­gen­heit ver­stan­den wer­den. Er hat­te in sei­ner Geschich­te immer auch eine poli­ti­sche Dimen­si­on und weit­hin ein okku­pa­to­ri­sches Selbst­ver­ständ­nis. Der Islam impli­ziert jeden­falls immer auch Gesell­schafts­ge­stal­tung und, wo aus isla­mi­scher Sicht nötig, auch gesell­schaft­li­che Umwand­lung. Die­sen Aspekt wach­sam zu beach­ten und zu beob­ach­ten ist Auf­ga­be und Fol­ge jeder ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Ent­schei­dung in Ange­le­gen­hei­ten Moschee.

5. Mit Sor­ge ist in unse­rem Land eine zuneh­men­de Gegen­be­we­gung zu Inte­gra­ti­on und mul­ti­kul­tu­rel­len Bemü­hun­gen wahr­zu­neh­men. Es ist beun­ru­hi­gend, dass zuneh­mend poli­ti­sche Par­tei­en mit Frem­den­angst Wäh­ler­stim­men für sich zu gewin­nen suchen. Die­se Ent­wick­lung kann nur erfolg­reich ein­ge­dämmt wer­den, wenn die Ent­schei­dun­gen und Wei­chen­stel­lun­gen vor Ort nicht nur den ver­wal­tungs­recht­li­chen und gesetz­li­chen Vor­la­gen Rech­nung tra­gen, son­dern in ein Bün­del von Maß­nah­men ein­ge­bet­tet sind, die dau­er­haf­te Inte­gra­ti­on und inter­kul­tu­rel­len Aus­tausch sicher­stel­len. Wie dies in Schwa­bach schon in gro­ßem Maße geschieht, ist sehr aner­ken­nens­wert. Die Plä­ne zum Neu­bau einer Moschee und die dadurch ent­ste­hen­de neue Dyna­mik erfor­dern aller­dings nach unse­rer Über­zeu­gung eine Neu­be­wer­tung der bis­he­ri­gen Maß­nah­men und zusätz­li­che Initiativen.

Die­ten­ho­fen am 20.06.2009

Evan­ge­li­sche Alli­anz Schwabach
Mar­tin Hensch­ke (Vor­sit­zen­der)
Forst­ho­fer Stra­ße 5
91126 Schwabach
E‑Mail: info@ea-sc.de

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